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Komplex Piccor AG / Picam / Piccox

Mit dem Versprechen einer sicheren Möglichkeit der Geldanlage in der Schweiz haben Finanzmakler, Anlageberater und Vertriebsleute arglose Anleger dazu veranlasst bis zu EUR 300 Mio. der Picam-Gruppe zur Verfügung zu stellen. Sie wurden mit Rendite von 15-20 % gelockt.

Es wurden zwei Anlagemodelle angeboten unter denen die Anleger wählen konnten, zum einen ein „Secure“-Modell, bei dem nur mit einem Teil des Kapitals spekuliert und der Rest des Kapitals konservativ abgesichert werden sollte. Bei dem Hochrendite-Modell, der zweiten Anlagealternative, sollte das Risiko des Totalverlusts bestehen. Nach Angaben von Picam wählten zwei Drittel der Anleger offensichtlich das Hochrisikomodell.

Beworben wurde die Geldanlage als Vermögensverwaltungsmandat. Anleger zahlten Gelder an einen Treuhänder, der diese in die Schweiz weiterleiten sollte. Nachdem die schweizerische Finanzaufsicht diese Anlage auf die Warnliste setzte wurden Anleger veranlasst, das in dem Vermögensverwaltungsmandat investierte Geld nun in eine Inhaberschuldverschreibung anzulegen.

Kurze Zeit später brach das Betrugssystem zusammen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Beschuldigte. Hausdurchsuchungen haben stattgefunden. Vermögen wurde sichergestellt.

Anleger bangen nun um das angelegte Geld.

Finanzvermittler sehen häufig keinen Anlass solche Produkte zu hinterfragen und zu überprüfen, obgleich sie regelmäßig zu einer Plausibilitätsprüfung verpflichtet sind. Schon bei einer oberflächlichen Prüfung hätten erhebliche Zweifel an der Seriosität des Anlagekonzepts bei einer versprochenen Rendite von 15 % bis zu 20 % aufkommen müssen. Entweder waren Vermittler naiv und haben dies nicht erkannt oder sie haben aus Gier und in Kenntnis der fehlenden Plausibilität des Anlagekonzepts ihre Kunden, häufig Bekannte und Verwandte, geschädigt.

Wie üblich positionieren sich diese Vertriebspersonen als Opfer der Anbieter. Dabei sind sie diejenigen, die überhaupt eine solche großflächige Schädigung argloser Anleger ermöglichen. Ohne diese Vermittler könnte ein derart großer Anlegerkreis nicht angesprochen werden. Ohne das Vertrauen, welche diese Anlageberater in persönlichen Kundengesprächen aufbauen, könnten derartige Anlagesummen gar nicht generiert werden. Nur durch die Ausnutzung persönlicher Vertrauensbeziehungen in dem Bekannten- und Verwandtenkreis entschließen sich Anleger solche Anlagen überhaupt zu zeichnen. Wenn es zutreffen sollte, dass wie das Handelsblatt berichtet, die Vermittler nicht verstanden hätten, in welche Anlagen investiert werden würde, so hätten sie dies ihren Kunden offenbaren müssen. Unterlassen sie dies, so machen sie sich selbst schadensersatzpflichtig.

Aber auch das hat offensichtlich die betroffenen Vermittler nicht davon abgehalten ihre Kunden noch weiter in Richtung wirtschaftlichen Abgrund zu führen. Anstelle diesen spätestens nun anzuraten, kein Geld mehr zu investieren oder sich anwaltlich beraten zu lassen, haben sie vielfach ihren Anlegern angeraten die Gelder von der Piccor AG in eine Inhaberschuldverschreibung, ein Zertifikat „Piccox Securitisation“, zu übertragen, mit dem Hinweis man könne täglich hierüber verfügen.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um ein langlaufendes Zertifikat mit Enddatum im Jahre 2030. Zur Entschuldigung tragen nun Makler offenbar vor, ihnen haben Unterlagen, aus denen dies hervorgeht, im Zeitpunkt der Beratung nicht vorgelegen. Diese Begründung erscheint sehr schwach. Diese Vermittler hätten ihre Kunden darauf aufmerksam machen müssen, dass ihnen die notwendigen Informationen fehlen, um Kunden zu einer Übertragung in die Inhaberschuldverschreibung zu raten.

Daher bestehen grundsätzlich – abhängig vom Einzelfall – gute Chancen Schadensersatzansprüche gegen Anlageberater, Anlagevermittler und Finanzmakler erfolgreich geltend zu machen. Die KSR Rechtsanwaltskanzlei vertritt geschädigte Anleger gegenüber Anlagevermittlern und Anlageberatern.